Lasst uns das Klima verändern!
 Maria Jepsen, Bischöfin für HamburgWarme Tage, blühende Gärten - ich genieße den Sommer und seine Farben. An den lauen Abenden bleiben unsere Städte lange lebendig.
Und in den Gottesdiensten erklingt wieder der wunderschöne Jubelruf von Paul Gerhardt: "Geh aus mein Herz und suche Freud in dieser lieben Sommerzeit an deines Gottes Gaben."
Doch in meine Freude mischen sich zunehmend Unbehagen und Sorge: Der vergangene Winter war wieder fast schneefrei. Die Obstbäume blühen im Durchschnitt fast drei Wochen früher als noch vor 30 Jahren, lese ich in der Zeitung. Und weltweit bringt der Klimawandel gerade den Ländern des Südens schwere Überschwemmungen, verdorrte Böden und katastrophale Missernten. So treffen die Folgen des westlichen Lebensstils mit seinem ungehemmten Energieverbrauch auch hier wieder einmal besonders die Armen und Verletzlichen.
"Nach uns die Sintflut" - das alte Sprichwort klingt in dieser Situation geradezu zynisch. Was machen wir da mit Gottes Schöpfung? Der Lutherische Weltbund will auf seiner nächsten Ratstagung Ende Juni in Tansania Antworten finden: "Schmelzende Schneekappe auf dem Kilimandscharo: Christliches Zeugnis inmitten der leidenden Schöpfung." Um wenigstens einen Moment innezuhalten und uns auf unser Tun zu besinnen, ruft der LWB dazu auf, den 29. Juni als "Sonntag des Klimawandels" zu begehen. Ich wünsche mir, dass sich auch in Nordelbien viele Gemeinden daran beteiligen.
Klar ist dabei: Es gibt kein Patentrezept gegen die globale Erwärmung - nur viele kleine Schritte und regionale Versuche. Mancher verzichtet bei der Urlaubsreise auf Auto oder Flugzeug - oder zahlt zumindest eine Ausgleichsabgabe. Gemeinden nutzen ihr Kirchendach für Sonnenkollektoren oder senken ihren Energieverbrauch, indem sie das Gemeindehaus dämmen und auf aufwendige Beleuchtung verzichten.
Wir sind also aufgerufen, etwas zu verändern - doch wie bei all unserem Tun sind wir dabei auf Gottes Hilfe angewiesen. Gemeinsam mit Paul Gerhardt können wir daher bitten: "Mach in mir deinem Geiste Raum, dass ich dir werd ein guter Baum und lass mich Wurzel treiben." Damit wir fest stehen, klar denken und das Klima in der Gesellschaft verändern können - zum Wohle von Gottes Schöpfung.
Maria Jepsen Bischöfin von Hamburg
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